"Ob ich Tierversuche durchführe? Das ist immer die erste Frage, wenn ich von meinem Beruf erzähle. Ich sage dann nein. Zwar lassen sich Medikamente ohne solche Versuche nicht erforschen. Aber in unserem Unternehmen haben wir kein Tierlabor. Darüber bin ich nicht traurig.
Dass ich Biologielaborantin werden wollte, war mir schon vor zehn Jahren beim Abi klar. Meine Ausbildung begann ich bei Asta Medica, einer Tochter von Degussa in Frankfurt/Main. 2002 kaufte ein kanadisches Unternehmen dort die Pharmaforschung auf. Inzwischen heißen wir Æterna Zentaris, hier am Frankfurter Osthafen ist unser Hauptstandort.
Meine Arbeit ist interessant und vielfältig. Wir untersuchen, wie verschiedene Krebszellen auf neue chemische Verbindungen reagieren. Die "Mikrotiterplatte" hier vor mir, auf der sterilen Werkbank, enthält solche bösartigen Zellen. Ich behandle sie zunächst mit den zu testenden Proben. Dann füge ich mit der Pipette nur noch eine "Detektionsreagenz" hinzu. Sie zeigt an, wie die Zellen auf die Behandlung antworten. Das Ergebnis messe ich später an speziellen Laborgeräten. Hemmt eine Substanz das Zellwachstum, ist das gut.
Substanzen mit guter Wirkung testen wir anschließend auch auf mögliche Nebenwirkungen. Auf diese Weise vermindern wir die Menge der notwendigen Tierversuche erheblich. Die potenziellen neuen Wirkstoffe "kochen" wir im eigenen Haus. Inzwischen verfügen wir über 120 000 Substanzen.
Wir alle hier wollen Medikamente entwickeln, die Krankheiten besser bekämpfen können. Doch ob eine Produktlinie tauglich ist, stellt sich immer erst spät heraus. Das macht oft bange. Nur wenn wir Erfolg am Markt haben, sind unsere Arbeitsplätze sicher."
Ausbildung und Berufsaussichten
Biologielaborantinnen und -laboranten arbeiten in der Medizin, im Gesundheitswesen, im Umweltbereich, in der Lebensmittel-, Pharma- und Kosmetikbranche. Fünf Fragen und Antworten zu Ausbildung und Berufsaussichten:
Welche Voraussetzungen muss man für diesen Beruf mitbringen?
Wichtig sind vor allem Sorgfalt und Genauigkeit, beispielsweise beim Abwiegen und Messen von Chemikalien und Probematerialien. Bei der Arbeit mit gefährlichen Mikroorganismen ist zudem hohes Verantwortungsbewusstsein gefordert. Hier geht es darum, Unfälle und ungewollte Freisetzungen von Krankheitserregern zu vermeiden.
Zukünftige Biolaborantinnen und -laboranten müssen sehr an Naturwissenschaften interessierte sein. Fundierte Kenntnisse auf dem Gebiet der Biologie sind für die Tätigkeit unabdingbar. Gute Chemiekenntnisse erleichtern den Erwerb des im Beruf notwendigen Wissens über die Eigenschaften und Reaktionen von Stoffen. Bei bestimmten Analyseverfahren ist zudem physikalisches Wissen von Vorteil und Mathematik ist für die Auswertung von Versuchen und statistische Berechnungen nötig.
Wie lange dauert die Ausbildung und wie ist sie aufgebaut?
Die bundesweit geregelte Ausbildung zur Biologielaborantin / zum Biologielaboranten dauert 3 1/2 Jahre. Sie wird in der Industrie angeboten. Durch Wahlqualifikationseinheiten verfügt dieser Beruf über eine flexible Ausbildungsstruktur.
Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?
Biotechniker/-in
- Umwelttechniker/ -in
- unterschiedliche IHK-Zertifikatslehrgänge
- spezielle Weiterbildungsstudiengänge (siehe Kasten)
Wie sind die Berufsaussichten?
Biologielaborant/in ist ein Zukunftsberuf. Biolaboranten werden in fast allen Forschungsbereichen eingesetzt. Sie werden aber nicht nur in vielen zukünftigen Produktfeldern der medizinischen und biologischen Forschung benötigt, sondern auch in den Wachstumsbranchen der Bio- und Gentechnologie und in der Nanotechnologie. Darüber hinaus bestehen aufgrund der breiten Ausbildung noch vielfältige Einsatzmöglichkeiten in anderen Bereichen.
Wie viele Auszubildende gibt es in diesem Beruf derzeit?
Eine genaue Zahl gibt es für das Jahr 2008: 1.653 junge Leute befanden sich da in der Ausbildung zur Biolaborantin beziehungsweise zum Biolaboranten.