"Wir sind elf ausgebildete Höhenretter unter 63 Gasschutzwehr-Leuten. Fünf von uns sind Hauptamtliche; die anderen machen das ehrenamtlich neben ihrem normalen Beruf auf der Kokerei. Hier wird der Koks produziert, den später die Stahlindustrie braucht.
Höhenretter sind 'Atemschutzgeräteträger' – allein unsere Ausrüstung dafür wiegt 17,5 Kilo. Die Arbeit hat einen gewissen Nervenkitzel: Man muss schon Spaß am Klettern haben. Wir haben aber keine Angst, nur Respekt vor der Höhe. Privat bin ich übrigens kein Bergsteiger – die Kletterei hier genügt mir völlig. Unser Team ist so etwas wie die Versicherung der Kokerei – im Ernstfall sind wir da. Zum Glück hat es noch keinen Ernstfall gegeben.
2005 musste einmal ein verletzter Kollege aus einerHöhe geborgen werden. Doch der Notarzt war selbst nicht in der Lage, dorthin zu kommen. Das gab den Anstoß, eine eigene Höhenrettergruppe einzurichten. Denn auf einer Kokerei gibt es viele Anlagen und Arbeitsplätze in großer Höhe – etwa die Koksbatterien oder unsere Gasspeicher. Wenn Kollegen dort etwas passiert, müssen sie schnell und sicher geborgen werden.
Dafür machen wir jeden Monateine Übung – dann trainieren wir etwa das Abseilen von unserem 110 Meter hohen Gasspeicher. Bei der Übung kommt es darauf an, sich selbst und einen Dummy mit durchschnittlichem Körpergewichtsicher abzuseilen. Wenn wir uns mit dem Seil bewegen, dann sagen wir dazu 'fahren' – genau wie im Bergbau. Jeder von uns muss in der Lage sein, in kürzester Zeit eine Seilstrecke aufzubauen,sicher mit dem Seil zu fahren und sich auch aus Zwangslagen zu befreien. Jede Übung, jedes Abseilen ist immer der Ernstfall."
(Aufgezeichnet von Axel Schappei)