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Berufe & Ausbildung

2000 Tonnen Kohle bewegen

Jessica Dichta, Lokführerin bei RBH in Gladbeck, berichtet über ihren Arbeitsplatz.

Jessica Dichta, Lokführerin bei RBH in Gladbeck
Foto: Frank Rogner

"Mein Traumberuf war es nicht. Aber heute würde ich sagen - gut, dass ich mich so entschieden habe. Ich war 1995, nach meinem Realschulabschluss, nur eines von zwei Mädels, die mit 14 Jungs die Ausbildung zum Eisenbahner im Betriebsdienst begonnen haben. Und auch heute gibt's noch nicht so viele Kolleginnen, die hier als Lokführerin fahren.

Im Sommer 1998 habe ich meine Lehre erfolgreich abgeschlossen. Danach habe ich noch ein paar Weiterbildungen für viele Loktypen und Baureihen gemacht, die wir hier haben - insgesamt sind das 102 Loks. Jetzt fahre ich täglich Diesel- und Elektroloks - und bewege mit einem Handgriff bis zu 2000 Tonnen. Kohle von A nach B zu bringen - das prägt meinen Alltag als Lokführerin. Denn ich transportiere bei RBH Kraftwerkkohle von Bergwerken wie Prosper Haniel in Bottrop zum Kraftwerk Scholven in Gelsenkirchen.

Wenn ich Frühschicht habe, fängt der Dienst für mich um 6 Uhr an. Dann fahre ich mit meiner Lok zum Beispiel vom Bergwerk zum Kraftwerk. Wo genau ich fahre, legen meine Kollegen auf den Stellwerken fest - ich sehe erst anhand der Signale, auf welchen Gleisen ich die Lok bewegen muss.

Auf Scholven nehme ich leere Kohlewaggons auf und fahre den Zug zum Bergwerk. Dort stelle ich die leeren Wagen ab und nehme 24 volle Waggons fürs Kraftwerk auf. Dadurch können durchaus 1700 bis 1800, vielleicht auch 2000 Tonnen Kohle hinter meiner Lok hängen. Deshalb fahre ich nur 80 Stundenkilometer, auch wenn Lok und Zug bis zu 120 km/h fahren können. Wenn ich mit der Kohle wieder am Kraftwerk angekommen bin, hänge ich die Wagen ab, sichere sie und bringe die Lok zurück - entweder aufs Bergwerk Prosper oder zu unserem Bahnhof in Gladbeck.

Ich sichere und säubere meine Lok, mache dieselben gründlichen Checks wie bei Schichtbeginn - und erst dann habe ich Feierabend. Doch den Schlüssel für meine Lok - den habe ich immer dabei."


Schlüssel zum Beruf
Foto: Simon Jung - Fotolia.com

Ausbildung und Berufsaussichten

Sie werden größtenteils in Unternehmen des schienengebundenen Güter- und Personenverkehrs ausgebildet, also auch bei Betreibern von S- und U-Bahnen. Darüber hinaus gibt es Ausbildungsplätze zu Eisenbahnerinnen und Eisenbahnern im Betriebsdienst der Fachrichtung Lokführer und Transport z.B. bei Werkbahnen im Stein- und Braunkohlenbergbau, in der Eisen- und Stahlproduktion oder im Schienenfahrzeugbau.
 
Welche Voraussetzungen muss man für diesen Beruf mitbringen?
 
Wichtig ist das Interesse an Technik. Systematisches Denken und planvolles Vorgehen spielen im Umgang mit technischen Geräten, Maschinen und Anlagen, deren Prüfung und Kontrolle eine große Rolle.  Außerdem muss beim Kuppeln der Waggons schon einmal kräftig mit zugepackt werden.
 
Wie lange dauert die Ausbildung?
 
Eisenbahnerin oder Eisenbahner im Betriebsdienst ist ein anerkannter Ausbildungsberuf nach dem Berufsbildungsgesetz (BBiG). Diese bundesweit geregelte 3-jährige Ausbildung wird in Eisenbahnunternehmen in den folgenden Fachrichtungen angeboten:

  • Lokführer und Transport
  • Fahrweg
     

Welche Weiterbildungsmöglichkeiten gibt es?
 
Das Themenspektrum für eine fachliche Anpassungsweiterbildung ist breit und reicht von Schienenverkehr bis zu Arbeitsschutz und Arbeitssicherheit. Auch wenn sich Eisenbahner/innen im Betriebsdienst der Fachrichtung Lokführer und Transport auf Einsatzgebiete spezialisieren möchten, finden sie in Bereichen wie Triebwagen- und Lokomotivsteuerung oder Zugbegleitung entsprechende Angebote.
 
Wer sich das Ziel gesetzt hat, beruflich voranzukommen, kann ebenso aus einer Palette an Angeboten zur Aufstiegsweiterbildung auswählen. Naheliegend ist es, die Prüfung als Meisterin oder Meister für Bahnverkehr abzulegen. Auf Leitungs- und Spezialfunktionen, z.B. auf der mittleren Führungsebene, bereiten auch andere Weiterbildungen vor, wie beispielsweise Technikerin oder Techniker der Fachrichtung Verkehrstechnik mit dem Schwerpunkt Eisenbahnbetrieb, Verkehrsfachwirtin oder Verkehrsfachwirt oder Fachwirtin bzw Fachwirt für den Bahnbetrieb.
 
Teilweise werden Vorbereitungslehrgänge auf Weiterbildungsprüfungen auch in Form von E-Learning bzw. Blended Learning angeboten. Hier lernen die Teilnehmerinnen und Teilnehmer jedoch nicht ausschließlich alleine am Computer. Während des Lehrgangs stehen sie in der Regel in Kontakt mit einem Dozenten, der für inhaltliche und technische Fragen zur Verfügung steht.
 
Eisenbahnerinnen und Eisenbahner im Betriebsdienst der Fachrichtung Lokführer und Transport, die eine schulische Hochschulzugangsberechtigung besitzen, können studieren und beispielsweise einen Bachelorabschluss im Bereich Bahnbetriebsingenieurwesen und Infrastruktur erwerben. Unter bestimmten Voraussetzungen ist übrigens auch ohne schulische Hochschulzugangsberechtigung ein Studium möglich. Vorausgesetzt werden je nach Bundesland verschiedene berufliche Qualifikationen.
 
Wie sind die Berufsaussichten der Branche?
 
Aufgrund des speziellen Einsatzgebietes ein Beruf mit sicherer Beschäftigungsperspektive. Hierfür spricht das die Anzahl Sozialversicherungspflichtig Beschäftigter in den letzten 10 Jahren sehr konstant geblieben ist (1999: 35.768; 2009: 35.060). Auch ist die Arbeitslosenquote mit diesem Zielberuf mit 1,9% sehr gering (Berechnet auf der Basis der sozialversicherungspflichtig Beschäftigten)


Wie viele Auszubildende in diesem Beruf gibt es derzeit?

Eine genau Zahl gibt es für das Jahr 2008: 1.410 junge Leute befanden sich da in der Ausbildung zur Lokführerin beziehungsweise zum Lokführer.

 


Weiterführende Links und Downloads:
Bundesagentur für Arbeit / BerufeNET
Detaillierte Informationen zum Berufsbild der Lokführerinnen und Lokführer

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Auf dem Internetangebot kursnet-finden.arbeitsagentur.de gibt es weitere Informationen unter anderem zum Studium Ingenieurin beziehungsweise Ingenieur für Bahnbetrieb und Infrastruktur.
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