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Soziale Sicherungssysteme

Sozialversicherungen sind staatliche Absicherungen für "den Fall der Fälle". In einer vom schnellen Wandel und hoher Arbeitsteilung gekennzeichneten Gesellschaft liegen Glück und Unglück, Erfolg und Misserfolg so dicht beieinander, dass keiner für sich ausschließen kann, einmal auf Hilfe angewiesen zu sein.


Empfänger von staatlicher Unterstützung bilden keinen isolierten Block in unserer Gesellschaft, sondern sind Menschen, die aufgrund sehr unterschiedlicher Einzelkrisen gezielte Hilfen benötigen. Deswegen müssen nach unserem Verständnis die vorhandenen Probleme der sozialen Sicherungssysteme nicht nur nach dem ökonomischen Prinzip verfügbarer Ressourcen, sondern vor allem als eine Frage der Demokratie diskutiert werden.


Die Pyramide steht auf dem Kopf

Die demografische Entwicklung ist ein Faktor, der die Zukunft der sozialen Sicherungssysteme in düsterem Licht erscheinen lässt. Renten-, Kranken-, Arbeitslosen- und Pflegeversicherung beruhen zu großen Teilen auf einem Umlageverfahren, wonach die Jungen für die Alten und die Gesunden für die Kranken einzahlen. Treffen nun zu viele Alte und Kranke auf zu wenig Junge und Gesunde, gerät das System ins Wanken. Wir haben es in Deutschland mit einer schrumpfenden Bevölkerung zu tun. Innerhalb dieser schrumpfenden Bevölkerung werden voraussichtlich den 20- bis 60- Jährigen bis 2030 etwa doppelt so viele Ältere gegenüberstehen.

Verbesserte Lebens-, Arbeits- und Umweltbedingungen, der Fortschritt der Medizin und ein gesundheitsbewussteres Verhalten der Menschen führen dazu, dass die durchschnittliche Lebenserwartung stetig steigt. Dieser positiven Tatsache steht gegenüber, dass die Anzahl der Geburten in Deutschland auf niedrigem Niveau verharrt. Es werden weniger Kinder geboren, als zum Erhalt der Bevölkerungszahl notwendig ist.


Das Beitragsproblem

Hinzu kommt, dass sich das Erwerbsleben im letzten Jahrzehnt stark gewandelt hat. Die Zahl der Arbeitslosen mit über 4,5 Millionen bleibt seit geraumer Zeit konstant auf hohem Niveau. Die Zahl der Selbstständigen hat genauso zugenommen wie das Heer der freien Mitarbeiter, die von "Outsourcing" betroffen, ihrer Arbeit nachgehen. Der Rückgang der Zahl der Erwerbspersonen wird auch im Bereich der Sozialversicherungen zu ernormen Belastungen führen. Die Beiträge für die Sozialversicherungen werden je zur Hälfte von den Arbeitgebern und den Arbeitnehmern aufgebracht und sind lohn- und einkommensabhängig. Die Sozialsysteme sind auf die kontinuierliche Beitragszahlung ihrer Versicherten angewiesen und verschiebt sich der Altersaufbau, verschieben sich auch die Beitragslasten.

Reformen im Bereich der Sozialversicherungen sind dringend notwendig um auf die veränderten Bedingungen reagieren zu können. Diese Reformen dürfen aber nicht nur einseitig auf Kosten der jüngeren Generation vollzogen werden!

 

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